Warum ist unser Gesundheitssystem am Ende?
Top und Flop
..der Kommentar zum Elend
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Jahrzehntelang ging es gut. Die Ärzte waren zufrieden und die Patienten im Großen und Ganzen auch. Es wurden sogar noch Hausbesuche gemacht und von Hetze und Eile in der Praxis war man weit entfernt. Eine Kassenzulassung war unumgänglich.
Es gibt da wohl mehrere logische Gründe, warum wir heute vor einem Scherbenhaufen stehen.
Wir werden älter und sind zimperlicher und wehleidiger als jemals vorher.
Wurde früher eine Platzwunde am Kopf zunächst lediglich desinfiziert und eventuell geklammert, so sitzen heute besorgte Mütter gleich im Krankenhaus in der chirurgischen Ambulanz und erwarten Röntgenaufnahmen und wer weiß was noch. Gefördert wird dieses Verhalten von einer Gesundheitsmentalität mit Vollkasko-Charakter. Weder die Ärzte noch die Kassen legen anscheinend Wert darauf, dass ihre Versicherten die erhaltenen Leistungen auch verifizieren. Kein Kassenpatient erhält eine detaillierte Übersicht, was mit ihm angestellt wurde und was das gekostet hat. Die Ärzte behaupten, der Patient versteht das sowieso nicht und die Kassen? – die Kassen sollten eigentlich daran interessiert sein, aber es ist ihnen anscheinend zu kompliziert und aufwändig. Ganz anders bei den Privatkassen, wo zunächst meist der Patient die Rechnung begleicht und demzufolge auch eine ordentliche Aufstellung erhält. Mehr Eigenverantwortung würde hier bestimmt auch die Kosten dämpfen. Patienten entmündigen ist aber bequemer und für alle Beteiligten einfacher.
Ein weiterer Aspekt, der die Kosten exponentiell in die Höhe treibt, ist aus meiner Sicht die Apparatemedizin. Die Technik ist weiter denn je und die Kosten für diese „Wundermaschinen“ sind astronomisch. Wenn die Anschaffung erst einmal getätigt wurde, dann muss das Gerät wenn möglich rund um die Uhr ausgelastet werden. Wenn die Kasse nicht alles zahlt, dann kommt noch das Zauberwort IGEL (Individuelle Gesundheitsleistung) ins Spiel. Aber das läuft ja separat und obendrauf.
Wir impfen, um den letzten Virus zu besiegen und konsumieren neuerdings auch teure Virustatika. Mit Antibiotika gehen wir gegen jede Bakterie vor und wollen uns noch nicht mal mehr mit einer Erkältung ins Bett legen. Auch wenn die Arzneimittelkosten begrenzt werden, so verdienen internationale Pharmakonzerne Milliarden mit unserer Krankheitsangst.
Unser Gesundheitssystem bzw. besser Krankheitssystem hat also mit ganz anderen Kosten zu tun als noch vor 10 Jahren. Man denke nur einmal an unsere Wohlstands-Sportarten wie Bungee Jumping, Canyoning, Rafting, Gleitfallschirmfliegen, Drachenfliegen, Roller Skating, Mountain Biking u.v.a.m. Jeder Unfall geht komplett in die Krankenkosten ein und verdirbt die Bilanz. Die z.Zt. heftig in der Diskussion befindlichen Kosten für Infektionen an Piercings und Tattoos oder deren Entfernung wird z.Zt. auch noch vom Kader der Versicherten getragen. Die Ärzteschaft spricht von Denunziation, falls sie diese Fälle weitermeldet, damit der Versicherte die Kosten selbst übernehmen muss, aber ist da nicht auch die Angst, wieder um Selbstzahler zu kämpfen oder etwa Gewinneinbußen hinnehmen zu müssen?
Der Arztberuf ist indes heute kein Zuckerschlecken mehr. Von Ruhe und Ausgeglichenheit in der Praxis oder im Krankenhaus können die Ärzte nur träumen. Längst gehört eigentlich eine BWL Ausbildung mit zum Studium, da sonst die Buchhaltung nicht zu bewerkstelligen ist. Nur Heilen ist heute nicht möglich – außer eventuell in einer Privatpraxis.
Während hierzulande um jeden Pfennig gefuchst wird und die Lobbyisten (Apotheker, Ärzteverbände, Krankenhäuser, Krankenkassen usw.) sich gegenseitig das Leben schwer machen, hat der Auszug der immer mehr schwindenden Ärztenachkommen schon begonnen. Traumziele wie Australien oder Neuseeland oder Nahziele wie die Schweiz oder England sind längst Standards bei den Überlegungen, seine Berufskarriere zu begründen oder zu sanieren.
Ist es nicht Zeit, endlich wieder mehr Eigenverantwortung in die medizinische Versorgung zu bringen und auch Extraleistungen wie Sportversicherungen und kosmetische Behandlungen separat abzuwickeln?
Wenn mich jeder Arztbesuch zumindest einen kleinen Eigenanteil kostet, gehe ich bewusster mit der in Anspruch genommenen Leistung um. Dass dieser Anteil proportional zu den Einkommensverhältnissen veranschlagt werden sollte ist eine sozial verträgliche Lösung. Gesundheit sollte nicht Privileg der Reichen sein – ist es aber doch. Was sagt denn dazu ein 60 jähriger Grubenarbeiter mit Staublunge? Oder ein Schichtmeister im Stahlwerk? Hat der etwa die gleiche Lebensspanne vor sich, wie ein Angestellter des Finanzamts oder ein Bankangestellter? Wohl kaum!
Da hilft nur die Sicherstellung der Grundversorgung mit Eigenanteil und darüber hinaus eigenverantwortliche Zusatzversicherungen, sonst geht der Wahnsinn weiter.
Ein Abbau der Bürokratie bei den Kassen und beim Bund wäre dann auch möglich.
Kann uns auf diesem Wege die neue Praxiskarte bzw. die digitale Patientenakte helfen?
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Bei Nebenwirkungen fragen Sie keinen Politiker sondern Ihren Arzt oder Apotheker....